Exkurs: Meteoriten


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Was sind Meteoriten, Meteoroiden, Sternschnuppen, Boliden?

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Gestein aus dem Weltall prasselt auf Erde und Saturn

08. 05. 2013 –

Neuschwanstein-Meteorit | © <a href="http://berlinadmin.dlr.de/HofW/2002/145/" target="_blank">berlinadmin.dlr.de</a>

Neuschwanstein-Meteorit | © berlinadmin.dlr.de

Fast jeden Tag regnet irgendwo auf der Erde Gestein oder Metall aus dem Weltraum auf die Erde. Auf dieser Seite werden die neuesten Sichtungen in Echtzeit dokumentiert: www.lunarmeteoritehunters.de

Da unser Heimatplanet zu mehr als 70% von Wasser bedeckt ist, werden die meisten Meteoritenfälle gar nicht registriert. Doch in letzter Zeit werden dank der zunehmenden Verbreitung von Videokameras immer mehr Fälle dokumentiert und daraufhin auch die Meteoriten auf der Erde gefunden.

Der links abgebildete Neuschwanstein Meteorit war der erste in Deutschland, der bei einer “planmäßigen Suche” nach einer Feuerkugel (Bolide) am 6.April 2002 gefunden wurde. Mehrere Kameras eines Feuerkugel-Überwachungsnetwerkes haben den Boliden aufgenommen, dadurch konnte der Fallort bestimmt werden. Der abgebildete Brocken ist etwa 1,7kg schwer, es ist nur ein Teil der Gesamtmasse die auf 600kg geschätzt wird. Durch den Einschlag in eine Schneedecke ist das Bruchstück relativ unbeschädigt geblieben und zeigt die typische Schmelzkruste die beim Flug durch die Atmospähre entsteht. Weitere Infos: www.dlr.de/feuerkugelnetz

Begriffserklärungen

Ein Meteoroid ist Gestein oder Metall aus dem Weltall das in die Atmosphäre eines anderen Himmelskörpers eintritt und eine Leuchterscheinung verursacht. Es kann - muss aber nicht - ein Teil davon den Flug durch die Atmosphäre überleben und auf dem Boden aufschlagen. Diese Stücke nennt man dann Meteoriten.

Sternschnuppen sind winzige Meteoroiden, wahrscheinlich nur wenige Millimeter bis Zentimeter groß. Sie erzeugen nur eine kurze schwache Leuchterscheinung.

Boliden (oder auch "Feuerkugeln") sind größere Meteoroiden, mehrere Dezimeter bis Meter groß, sie erzeugen ein Spektakel wie ein Feuerwerk: Eine sehr helle Leuchtspur, meist gibt es Helligkeitsausbrüche, oft hat das Licht verschiedene Farben (gelb, grün, rot), nachts blendend hell. Meist bleibt für mehrere Minuten ein Rauchschweif am Himmel, oft kommt es zu Geräuschen (Explosionen, Knall)

Woraus bestehen Meteoriten?

Es gibt nicht “den” typischen Meteoriten sondern eine ganze Menge unterschiedlicher Typen und Arten. Man kann sie grob in drei Kategorien einteilen: Steinmeteoriten, Eisenmeteoriten und Stein/Eisen Meteoriten. Doch die Übergänge sind fließend, es gibt viele Mischformen.

Manche Arten von Steinmeteoriten gehören zum ältesten, unveränderten Material im Sonnensystem mit einem Alter von über 4,5 Milliarden Jahren. Es enstpricht der Zusammensetzung der Urwolke aus denen die Sonne und die Planeten entstanden. Andere enthalten sogar unverändertes Material das sich noch auf die Zeit vor der Entstehung des Sonnensystems in anderen Sternen oder gar in Supernovae (Sternexplosionen) zurückführen lässt.

Eisen- oder Steineisen Meteoriten hingegen waren einst Teil eines größeren Körpers des Sonnensystems, der durch Kollisionen mit anderen Körpern zerstört wurde. Entweder eines Asteroiden (Kleinplaneten) oder eines sogenannten Planetensimals, aus denen später die Planeten entstanden sind.

Sehr selten sind Meteoriten die nachweislich von Mond oder Mars stammen, das Material muss dort vor Millionen bis Milliarden von Jahren durch Meteoriteneinschläge herausgesprengt und so in den Weltraum gelangt sein. Jüngst hat man sogar einen Meteoriten gefunden der von Merkur stammen könnte:

Meteoriten sammeln ist ein beliebtes Hobby unter Amateurastronomen, es gibt einen regen Austausch. 

20. April 2013 - Meteorit trifft Haus in Wisconsin -> zum Video

Abbild des besagten Meteoriten

Erst im Februar fielen Meteoriten in Russland vom Himmel, Ende April war eine Feuerkugel bei einem Konzert in Argentinien zu sehen und wie jetzt bekannt wurde hat sich noch ein weiterer seltener Meteoritenfall ereignet. Um 10.20h morgens gab es in dem kleine Städtchen Wolcott plötzlich einen lauten Knall. Ein faustgroßer Brocken durchschlug daraufhin das Dach eines Hauses, beschädigte das Dach und Kupferleitungen und landete schließlich auf dem Küchenboden. Zunächst dachte die Polizei, bei dem Brocken würde es sich um ein Stück einer Flugzeuglandebahn handeln, das "irgendwie" an einem Flugzeug hängen geblieben und von diesem herabgefallen ist. Denn das Stück aus dem Weltraum hat eine schwarze Kruste über einem weiß gesprenkelten Gestein. So ähnlich wie Teer auf Beton. Ein Meteorologe der NBC bekam von der Sache Wind und kam auf die Idee es könnte sich um etwas "außerirdisches" handeln, da die Erde Freitag Nacht (19.04.) durch den Meteorstrom der Lyriden gewandert ist. Die Meteore dieses Stroms wurden vom Kometen Thatcher im Sonnensystem hinterlassen, der 415 Jahre für einen Sonnenumlauf braucht. Ein hinzugezogener Museumsleiter bestätigte schließlich das es sich bei dem Gestein um einen sogenannten "Chrondriten" handelt, ein sehr altes, ursprüngliches Gestein. Es gehört zum ersten festen Material das sich im solaren Urnebel gebildet und seit der Entstehung des Sonnesystems vor 4,5 Milliarden Jahren kaum verändert hat.

Der jüngste Meteoreinschlag in Deutschland ist vom 23. April 2013. Ein Meteorit ist auf eine Garageneinfahrt in Braunschweig eingeschlagen. Dies ist das erste Mal seit Längerem, dass ein größerer Meteoritenfall in Deutschland erfolgt

Meteoroiden auch bei Saturn

Doch nicht nur die Erde kollidiert gelegentlich mit solchen Überbleibseln aus der Frühzeit des Sonnensystems. Die NASA hat am Freitag, den 25.04.2013 neue Fotos der Raumsonde "Cassini" veröffentlicht, die seit fast 10 Jahren den Saturn umkreist und immer noch täglich faszinierende Fotos des Riesenplaneten, seiner Monde und Ringe zur Erde schickt.

NASA Raumsonde "Cassini" beobachtet Meteore die mit Saturns Ringen kollidieren | Credit: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute/Cornell

Die neuen Fotos welche Überreste von eingeschlagenen Meteoroiden zeigen, sind zum Teil schon mehrere Jahre alt, es hat so lange gedauert bis die Forscher diese Einschlagsmarken eindeutig erkennen und zuordnen konnten.

"Diese neuen Resultate zeigen uns, dass die Einschlagrate an Saturn ebenso hoch ist wie auf der Erde" sagte dazu Linda Spilker, Cassini Projektmanagerin am Jet Propulsion Ladboratory der NASA. "Es hat Saturns Ringe mit der 100-fachen Oberfläche der Erde gebraucht um diese interessante Erkenntnis zu gewinnen".

"Wir wussten das diese kleinen Einschläge ständig statt finden müssen, doch wir wussten nicht wie es aussehen würde, wir haben nicht unbedingt geglaubt das sie die Form von spektakulären Scherwolken haben" sagt Matt Tiscareno, Wissenschaftler an der Cornell Universität in Ithaca, New York. "Während des sogenannten Equinoktikums, als die Ringe mit der Kante zur Sonne zeigten, war die beste Zeit um solche Effekte aufzufinden weil dann die Ringe abgedunkelt waren und die darüber schwebenden Reste der Einschläge von der Sonne angestrahlt wurden." Die Wissenschaftler vermuten die Meteoroiden prallten zuerst auf die Ringe und wurden dabei in kleinere Stücke zerbröselt, die in eigene Umlaufbahnen mit verschiedenen Geschwindigkeiten um den Riesenplaneten einschwenkten. Diese Trümmerwolken wurden dabei zu den länglichen hellen Flecken und Strichen auseinandergezogen die auf den interessanten Bildern zu sehen sind.

Weitere Informationen / Quellen:


Tags: Einschlag, Know-How, Beobachten, Himmelskörper, NASA


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